Preiswerter Wohnraum: Verkäufer verzichtet auf Höchstpreis

Weilimdorf(srb) Verkäufer und Vermieter von Immobilien nehmen grundsätzlich den Höchstpreis, so die gängige Meinung. Dass es auch anders geht belegt ein kürzlich abgeschlossenes Grundstücksgeschäft in Stuttgart.

Eine Wohnanlage mit 65 Wohnungen in Stuttgart-Weilimdorf stand beim Bauträger Nord-Süd-Hausbau Ende vergangenen Jahres zum Verkauf. Mit dem Verkaufsmandat wurde der Immobilienexperte Michael Barth, Geschäftsführer beim Stuttgarter Maklerunternehmen Dr. Bolz Immobilien beauftragt. Das besondere an dem Projekt: Die Wohnungen sind öffentlich gefördert. Dafür sind die Kaltmieten auf derzeit 4,60 Euro je Quadratmeter begrenzt und die Stadt Stuttgart hat noch bis 2024 ein Belegungsrecht. Nach Ablauf dieser Frist wäre es einem Erwerber möglich, die Wohnungen frei zu vermieten und die Mieten auf Marktniveau anzupassen.

Weilimdorf MaklerSo gab es denn auch laut Berater Michael Barth „genügend Interessenten“ für das Wohnungspaket. Den Zuschlag allerdings erhielt nicht der Höchstbietende, sondern die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG). Die will langfristig preiswerten Wohnraum erhalten und verlängerte deshalb das städtische Belegungsrecht bis zum Jahr 2033. Gleichzeitig bleibt das veräußernde Unternehmen Nord-Süd-Hausbau seinem guten Ruf treu, bei der Verwaltung des eigenen Bestandes nicht ausschließlich nach maximalen Renditegesichtspunkten zu agieren.

„Wir brauchen nicht nur Luxus, sondern auch bezahlbaren Wohnraum für benachteiligte Bevölkerungsgruppen“ fordert Michael Barth. Der erfolgreiche Deal sei deshalb ein sehr gutes Beispiel dafür, dass die Immobilienwirtschaft auch ohne gesetzlichen Zwang bereit ist, soziale Komponenten verantwortungsvoll zu berücksichtigen.

Kommentare

  1. Lisa Weber hat kommentiert:

    Toller Beitrag! Gerade erst über Google gefunden.

  2. Jack hat kommentiert:

    Eine nette Geschichte. In Wahrheit sieht es, bis auf ganz wenige Ausnahmen in einigen Ballungsgebieten, aber ganz anders aus. Überall auf dem Land fallen die Preise in den Keller. Es ist fast unmöglich geworden schönen EFHer „auf der grünen Wiese“ an Käufer zu bringen. Hohe Kosten für PKW usw. sind einige der Ursachen. Es ist also bis auf einige „Inseln“ in Deutschland nicht so, dass die Preise durch die Decke gehen. Dieses gerne von der Politik verbreitete Schreckgespenst ist fern ab der Realität. – Kein Wunder: Die Bevölkerung schrumpft. Daher werden in den nächsten 20 Jahren 15-20% der Wohnungen leerstehen. Weiterer sozialer Wohnungsbau, wie von den Linken gefordert, geht am Markt vorbei und verdirbt zusätzlich die Preise von Bestandshaltern.

    • Michael Barth hat kommentiert:

      Hallo Jack,
      ich kann ihnen da voll und ganz zustimmen. In Fachkreisen wird das sogar noch problematischer gesehen. Gerade in strukturschwachen, ländlichen Gebieten brechen die Preise für Immobilien massiv ein. Die demographische Entwicklung macht sich hier schon heute deutlich bemerkbar. Lediglich in einigen wenigen Ballungsräumen steigen die Preise, teils sogar erheblich. Ein verantwortungsvoller Umgang mit diesem Phänomen erfordert, wie Sie richtig feststellen, einer differenziertes Problembewusstsein. Mit “ politischen Hau Ruck Zwangsmaßnahmen“ wird man die anstehenden Probleme auf den Immobilienmärkten nicht lösen können. Auf dem Land brechen die Preise ein, in Ballungsgebieten hat bereits der Mittelstand Probleme angemessenen Wohnraum zu bezahlbaren Konditionen um finden (Kauf /Miete). Eine ausgeglichene und vor allem vorausschauende Wohnbaupolitik wird immer mehr zu einem entscheidenden Standortfaktor für uns alle ! Auch Krankenschwestern, Altenpfleger……. müssen sich in unseren Städten angemessenen Wohnraum für sich und ihre Familien leisten können.
      Immer höhere Mieten/Kaufpreise für Immobilien erfordern ein entsprechendes Einkommensniveau, das geht auf Dauer zulasten der Wettbewerbsfähigkeit.
      Es ist toll in München, Hamburg……. zu leben, was aber habe ich davon wenn ich mir diese Städte nicht leisten kann, sprich mein Gehalt zu Teils über 50 % für die Miete aufgewendet werden muss. Fachkräfte verlangen hier bereits heute ein entsprechend höheres Gehalt welches derartige Entwicklungen berücksichtigt.
      Meines Erachtens ist hier die Politik gefragt speziell für Familien, ältere Menschen oder Einkommensschwache Haushalte entsprechende Lösungen mit der Wohnungswirtschaft gemeinsam zu erarbeiten. Das Problem lässt sich nicht durch populistische Schuldzuweisungen in Richtung der freien Wohnungswirtschaft lösen, zumal die Politik hier ihr maßgebliches zur aktuellen Situation und den ungünstigen Rahmenbedingungen beigetragen hat.

      Die Erhöhung der Grunderwerbssteuer z.b. Schmälert des Eigenkapital eines Immobilienkäufers, intelligente Lösungen wären gefragt gewesen. Z.B. Grunderwerbsteuerbefreiung für Eigengenutzte Immobilien, bei beruflich erforderlichem Umzug ein Grunderwerbssteuerlebenszeitkonto……….,
      die EnEv 2014 wird das Bauen nochmals um mind. 10 % verteuern, der tatsächliche Nutzen dieser. Verschärfung mag durchaus bezweifelt werden. Aktuell beträgt der Anteil an öffentlichen und\gesetl.Abgaben pro Quadratmeter Kaufpreis bei einem Immobilienerwerb ca. 15 – 20 % . Anstatt Mietpreisbremsen, Verschärfung des einseitigen Mietrechts wäre die Politik gut beraten, kreativ und zukunftsorientiert zu Handeln. Was das Thema sozialer Wohnungsbau betrifft, so gibt es hier definitiv in den Ballungsgebieten einen erheblichen Handlungsbedarf.
      Viele ältere und alleinstehenden Menschen können sich die Mieten und im besonderen die stark steigenden Betriebsnebenkosten nicht mehr leisten. Hier ist das Problem einer bezahlbaren Bleibe bereits in den Ballungszentren im Mittelstand angekommen und wird dramatisch zunehmen. Den sozialen Wohnungsbau allerdings über ein Model der vorgegebenen Renditen freien Trägern aufzulasten sehe ich z. B. im Falle Stuttgart eher als realitätsfern und wenig hilfreich. Warum soll privates Geld politische Probleme beseitigen? Hier sind faire und ausgewogene Lösungen zu bevorzugen. Nicht populistisch sondern durchdacht und effektiv.

      Es geht um unser aller Zukunftsperspektiven von Jung und alt für ein angemessenen Privaten Raum, es geht um den sozialen Frieden.
      Es ist Eigenverantwortung gefragt, diese muss aber auch die richtigen Rahmenbedingungen vorfinden.

  3. RK hat kommentiert:

    Wir haben alle eine soziale Verantwortung. Gut gemacht Michael Barth.

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