Stadtentwicklung: Vortrag „Stadt aus einem Guss“

(srb) Professionelle Planung als Basis für eine lebenswerte Stadt – dies war das Thema eines führenden Stadtplaners in einem Vortrag, der von der liberalen Friedrich-Naumann-Stiftung Anfang März in Stuttgart veranstaltet wurde. Fazit: Was wir brauchen, ist ein Masterplan.

Braucht Stuttgart einen Masterplan?Stuttgart bietet als Landeshauptstadt und bedeutendes wirtschaftliches und kulturelles Zentrum einen Lebensraum für rund 600.000 Menschen. Im Gegensatz zu anderen Großstädten gilt die schwäbische Metropole aber nach wie vor als etwas altbacken und langweilig, jedenfalls bei denen, die Stuttgart selbst nicht kennen. Dies mag vielerlei Gründe haben, auch solche, die mit Architektur und Stadtplanung zu tun haben.

Gerade auf dem Gebiet der Architektur konnten aber in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte erzielt werden. Herausragende Beispiele dafür sind das Mercedes-Benz-Museum in Bad Cannstatt und das Porsche-Museum in Zuffenhausen. Ein Entwurf für das Stadtbild fehlt aber. Das hat zur Folge, dass Stuttgart nicht „wie aus einem Guss wirkt“. Dies jedenfalls ist die Ansicht von Dr. Michael Denkel, einem renommierten Stadtplaner aus dem weltweit tätigen Frankfurter Architekturbüro Albert Speer und Partner. Der Stadtplanungsexperte referierte auf Einladung der Friedrich-Naumann-Stiftung und der Reinhold-Maier-Stiftung Anfang März vor rund 60 interessierten Zuhörern im Stuttgarter Ratskeller.

Gleich zu Beginn seiner Ausführungen schickte der Referent voraus, die Stadt Stuttgart nicht allzu gut zu kennen. Seine Ausführungen sollten deshalb mehr als grundsätzliche Gedanken für einen „Masterplan Stadtentwicklung“ zu verstehen sein. Mit einem Masterplan können stadtplanerische Strategien entwickelt und Handlungsvorschläge erarbeitet werden. Beispielhaft dafür wurden eigene Projekte vorgestellt, unter anderem das Stadtentwicklungskonzept 2030 „Frankfurt für Alle“ und der „Masterplan Innenstadt Köln“. Erwähnung fand mit „Bottrop – Klimagerechter Stadtumbau“ auch ein thematisch orientierter Masterplan. Grundsätzlich ist ein Masterplan unabhängig von der Größe einer Stadt. Viel wichtiger ist es, Projekte zu definieren und einen Zeitplan festzulegen. Allerdings steigt die Dringlichkeit eines Masterplans nach Meinung von Dr. Denkel mit der Größe einer Stadt, denn die Entwicklung weltweit zeige, dass Städte und Metropolen auch in Zukunft weiter wachsen werden. Hinzu kämen demographische Entwicklungen und eine zunehmende Wissensgesellschaft.

Ein Masterplan sollte verstanden werden als „Stadtentwicklungskonzept der öffentlichen Hand“. Worin allerdings – abgesehen von der neuen Begrifflichkeit – der große Unterschied zur herkömmlichen Stadtplanung besteht, konnte zumindest der Berichterstatter nicht ganz nachvollziehen. Wie dem auch sei – der Stadtplanungsexperte hält einen Masterplan für Stuttgart als Metropolregion für absolut wichtig. Dabei sollten Leitziele formuliert, thematische Schwerpunkte gesetzt und stadträumliche Projekte angegangen werden.

Als ganz bedeutender Faktor in diesem Prozess sollte die Bürgerbeteiligung angesehen werden. Der Mehrwert eines Masterplans liege auf der Hand: Sinnvolle und effiziente Flächennutzung, Verbesserung der Verkehrssituation, zielgenauere Wohnraumversorgung und natürlich eine allgemein erhöhte Lebensqualität. „Planung lohnt sich immer, Planung kostet Geld, aber keine Planung kostet auch Geld“ lautete das nicht ganz eigenwerbungsfreie Schlußwort des promovierten Raum- und Umweltplaners, dem nichts hinzugefügt werden braucht. Eine sich anschließende Diskussionsrunde ergab dann auch keine wesentlichen weiteren Erkenntnisse.

 

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