Sachkundenachweis für Makler kommt

UD_8424_E1a(srb) Lange Jahre haben Berufsverbände, aber auch Verbraucherschützer einen Sachkundenachweis für Immobilienberufe gefordert. Dies wurde von der Politik immer wieder abgelehnt mit dem Hinweis auf einen „freien Berufszugang“. Nun liegt überraschend ein Gesetzentwurf für eine Berufszulassungsregelung vor.

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UD_8424_E1aUD_8424_E1a„Das ist ein Meilenstein für die Branche und das Ansehen der Berufe“ urteilt Michael Schick, Präsident des Immobilien Verband Deutschland (IVD), über den vorliegenden Gesetzentwurf. Über 90 Jahre habe es gedauert, bis die Forderung des IVD nach einem Sach- und Fachkundenachweis für Immobilienberufe beim Gesetzgeber Gehör fand. Warum dies so lange dauerte, hat verschiedene Gründe. Hauptsächlich aber ging es um einen „freien Berufszugang“, wie er beispielsweise auch für Journalisten und andere Berufe gilt. Bislang hatte sich der IVD mit der Einführung eines Ombudmanns, der verpflichtenden Vertrauensschadensversicherung, dem berufspolitischen Kanon sowie verschärften Standesregeln intensiv für den Verbraucherschutz eingesetzt.

Verbraucherschutz soll gestärkt werden

Nach der bisherigen Rechtslage sind die Anforderungskriterien für Immobilienberufe recht bescheiden: Persönliche Zuverlässigkeit und geordnete Vermögensverhältnisse reichen aus, um eine Gewerbegenehmigung zu bekommen und als Makler loszulegen. Nun aber wurde vom Bundeswirtschaftsministerium überraschend ein Referentenentwurf zur Qualitätssteigerung für Immobilienberufe vorgelegt. Der Entwurf sieht vor, dass Immobilienmakler und WEG-Verwalter einen gesetzlich begründeten Sachkundenachweis erbringen und eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen müssen als Voraussetzung für eine Gewerbeerlaubnis. Durch diese erhöhten Anforderungen sollen insbesondere der Verbraucherschutz und die Qualität in der Wohnungsverwaltung erhöht werden. Gerade wegen Letzterem begrüßt der Dachverband Deutscher Immobilienverwalter (DDIV) den Entwurf grundsätzlich, weil damit die persönlichen und fachlichen Qualitätsstandards erhöht werden. Auch dieser Verband setzt sich „seit langem für Mindeststandards in der Immobilienverwaltung ein, da die Anforderungen an die Tätigkeit in den letzten Jahren signifikant gestiegen sind“. Der DDIV geht davon aus, dass die neue Regelung zum 1. Januar 2016 in kraft treten wird. Nach Inkrafttreten des Gesetzes hat das Bundeswirtschaftsministerium zusammen mit dem DIHK neun Monate Zeit, um den Prüfungskatalog für  die Sachkundeprüfung auszuarbeiten.

Mindeststandard Immobilienkaufmann

Die Anforderungen an eine Sachkundeprüfung müssen in einer Rechtverordnung geregelt werden. Nach Ansicht des IVD sollten die Prüfungsinhalte „nicht zu niederschwellig angesetzt werden“. Das Anforderungsniveau sollte sich deshalb am Berufsabschluss des/der Immobilienkaufmann/-frau orientieren. Im Hinblick auf die europäische Harmonisierungsinitiative soll auch die Dienstleistungsnorm DIN EN 15733 als gleichwertiger Qualifikationsnachweis für Makler anerkannt werden. Die Stuttgarter Dr. Bolz Immobilien hat sich vergangenes Jahr als eines der ersten Maklerunternehmen zertifizieren lassen. „Vorausschauende Notwendigkeit“ meint Geschäftsführer Michael Barth, der die Neuregelung zwar begrüßt, aber „für noch nicht ausreichend“ hält. Das lässt sich allerdings auch leicht sagen, wenn in einem Unternehmen wie bei Dr. Bolz fast jeder Mitarbeiter einen oder gar zwei akademische Abschlüsse vorweisen kann. Für Makler und Verwalter mit formal weniger Ausbildung aber viel Erfahrung soll eine „Alte Hasen-Regelung“ gelten, wenn sie mindestens sechs Jahre ununterbrochen aktiv im Geschäft waren. Allerdings müssen sie dies innerhalb von 6 Monaten nachweisen. Geschieht dies nicht, würde eine früher erteilte Gewerbeerlaubnis automatisch erlöschen – mit allen Folgen für die Berufsausübung. Prüfungen werden übrigens von den IHK`s abgenommen und sollen rund 400 Euro kosten.

Nur noch mit Berufshaftpflichtversicherung

Zweite wichtige Neuerung im vorgelegten Gesetzentwurf ist die nun vorgeschriebene Berufs- bzw. Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung. Der IVD hält außerdem eine Vertrauensschadenversicherung für Verwalter für dringend erforderlich. Die knapp 6.000 Verbandsmitglieder müssen bereits beim Eintritt in den IVD eine Vermögensschaden- wie auch eine Betriebshaftpflicht-Versicherung nachweisen. Über die Mitgliedschaft gibt es zusätzlich eine Vertrauensschaden-Versicherung. Die verschärften Versicherungsvorschriften sind eindeutig im Sinne eines verbesserten Kunden- bzw. Verbraucherschutzes zu sehen. Allerdings haben sie, zusammen mit den höheren Qualifikationsanforderungen, auch einen nicht ganz unerwünschten Nebeneffekt für etablierte Immobilienmakler: Die nicht besonders gerne gesehenen sogenannten „Gelegenheits- oder Küchentischmakler“ werden mit der Neuregelung ausgebremst. Für sie dürfte sich dieser ganze Zusatzaufwand zeitlich wie finanziell kaum lohnen. Die Branche wird sich deshalb in Zukunft mehr über die Qualität selektieren. Und dagegen kann eigentlich niemand etwas haben.

 

 

Kommentare

  1. Tobias Müller hat kommentiert:

    Danke für die Informationen zum Sachkundenachweis. Mein Cousin befasst sich gerade mit der Sachkundeprüfung gem. § 34a GewO. Den Artikel werde ich auf jeden Fall weiterempfehlen. Gut, dass sich der Markt in Zukunft über Qualität selektieren wird.
    LG
    http://www.agsm-akademie.de/Sachkundepruefung-gem-34a-GewO.109.0.html

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