Wohnen wird immer teurer – Warum?

green building stuttgart

(srb) Anfang März diesen Jahres machte der Stuttgarter Mieterverein gemeinsam mit anderen Verbänden mobil: „Wohnen bezahlbar machen“ war das Motto, unter dem rund 100 ( so die Polizei) oder auch mehr Teilnehmer auf dem Schlossplatz gegen steigende Wohnkosten demonstrierten. Wohnen hat sich in den letzten Jahren spürbar verteuert, aber woher rühren die Preissteigerungen?

Die, die es sich einfach machen, haben die Schuldigen schnell gefunden: Die Vermieter sind’s, die nehmen, was sie kriegen können. Diese nutzen eine Notlage, entstanden durch eine erhöhte Nachfrage einerseits und ein stagnierendes Angebot andererseits schlicht aus. Doch ganz so einfach, wie dieses Weltbild vorgibt, ist die Sachlage nun doch nicht. Richtig ist, dass Miet- und Kaufpreise für Immobilien in den letzten Jahren überdurchschnittlich gestiegen sind. In Stuttgart beispielsweise waren dies laut Mietspiegel seit 2007 rund 10% bei einer durchschnittlichen Wohnung. Allerdings, und dies wird gerne vergessen, gab es diese Steigerungen fast ausschließlich in Groß- und Universitätsstädten. Außerhalb dieser Metropolen und auf dem flachen Land werden dagegen Mieter teilweise händeringend gesucht. Die erhöhte Nachfrage in den Städten hat nachvollziehbare Ursachen, hauptsächlich steigende Studentenzahlen, der Magnetismus der Arbeitsplätze und nicht zuletzt die Zuwanderung von Migranten. Aber auch die Wiederentdeckung der Metropolen mit ihren sozialen und kulturellen Möglichkeiten verstärkt den Druck. Die Preissteigerungen sind aber bei weitem nicht allein eine Folge dieser Marktbewegungen.

Insbesondere der Staat selbst hat mit die Voraussetzungen für die heutigen Probleme geschaffen: So wurde in den letzten Jahren auf die Ausweisung von günstigem Bauland weitgehend verzichtet. Lieber schielte man auf die Gewerbesteuer und wies Gewerbeflächen aus oder spekulierte mit den Grundstücken am freien Markt. Auch die kommunalen Wohnungsbaugesellschaften kamen ihrem Auftrag zur Versorgung mit günstigem Wohnraum immer weniger nach und investierten lieber im freien Bauträgergeschäft mit dem Fokus auf hohe Gewinne.

Eine permanente Verschärfung der Mietgesetze auf der einen Seite und die ständige steuerliche Schlechterstellung von Immobilieneigentum auf der anderen Seite haben den Wohnungsbau zunehmend unattraktiv gemacht. So wurde bereits 2004 die Eigenheimzulage gestrichen, ein für Häuslebauer nicht zu unterschätzender Finanzierungsbestandteil. Eine gewisse Wende auf dem Immobilienmarkt trat erst mit den niedrigen Bankzinsen und den europäischen Währungsunsicherheiten ein.

Als ob das alles noch nicht genug wäre, hat die Politik mit permanent neuen Vorschriften, Gesetzen, Verordnungen und Auflagen dazu beigetragen, dass Wohnen immer teurer wurde. Da wären: Vor allem die Energieeinsparverordnungen 2007 und 2009 mit immer brachialeren Dämmungsvorschriften. Allein dadurch sollen nach Ansicht von Fachleuten die Neubaukosten um 20 % gestiegen sein. Aber auch andere Auflagen wie Legionellenprüfung und bald wohl auch der Rauchwarnmelder lassen die Kosten steigen. Auch an der Steuerschraube wurde gedreht: So wurde in Stuttgart 2010 die Grundsteuer um satte 120 auf jetzt 520 Punkte angehoben und landesweit die Grunderwerbsteuer von 3,5 auf 5 % erhöht. Letzteres erhöht beispielsweise die Kosten für den Erwerb eines Hauses für 500.000 Euro um stolze 7.500 Euro bzw. reduzieren das Eigenkapital entsprechend.

Es ist also leicht nachvollziehbar, dass gestiegene Kaufpreise und Mieten weniger von raffgierigen Vermietern, sondern eher von nicht ausgeglichenen Wohnungsmärkten und der öffentlichen Hand selbst verursacht wurden. Auch wenn es kein Trost ist: Zahlen müssen Mieter und Vermieter.

Autor: Sigurd R. Betz, Diplom-Journalist

 

Kommentare

  1. johannes hat kommentiert:

    Guter Artikel, aber euch geht es da noch gut! In Tel aviv ist der Immobilienmarkt bis auf 35% gestiegen, also kann sich auch hier kaum jemand was leisten.

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