Stuttgart jetzt bundesweit Spitze – bei den Wohnungsmieten

(srb) Erstmalig hat Stuttgart bei den ortsüblichen Vergleichsmieten München als teuerste Großstadt Deutschlands abgelöst. Dies ist das Ergebnis des aktuellen F + B Mietspiegelindex 2019, der einzigen Auswertung aller amtlichen Mietpreisübersichten in Deutschland. Während ein Stuttgarter Mieter durchschnittlich 10.41 € pro Quadratmeter Nettokaltmiete bezahlt, kommt ein Münchner Mieter mit durchschnittlich 9,74 € monatlich davon.

F + B Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt GmbH aus Hamburg erstellt seit 1996 regelmäßig Mietpreisübersichten. Die Daten spiegeln das Niveau und die Entwicklung der Bestandsmieten wider, also der Wohnkosten, die deutsche Mieter durchschnittlich aktuell zahlen müssen. Analysiert werden die Nettokaltmieten von typischen Normalwohnungen mit einer Fläche von 65 Quadratmetern, mittlerer Ausstattung und Lage, in Gemeinden ab 20.000 Einwohnern und veröffentlichtem Mietspiegel. Für den F + B Mietrspiegelindex 2019 wurden 361 Städte und Gemeinden ausgewertet. Insgesamt verfügen 57 % aller Gemeinden ab 20.000 Einwohner über einen Mietspiegel.

Bundesweiter Durchschnitt bei 7,04 €

„Die teuerste Großstadt für Mieter ist erstmals Stuttgart und nicht München. Die Stuttgarter zahlen durchschnittlich 10,41 Euro pro Quadratmeter Nettokaltmiete für ihre Wohnungen und liegen damit 48 % über den 7,04 Euro pro Quadratmeter, die in den Mietspiegelstädten insgesamt gezahlt werden“, erläutert F + B-Geschäftsführer Dr. Bernd Leutner. München liegt auf dem sechsten Rangplatz mit einem Indexwert von 138. Dort zahlen die Mieter durchschnittlich 9,74 Euro pro Quadratmeter Nettokaltmiete. Die teuerste Kommune Deutschlands ist erneut Münchens „kleiner Nachbar“ Karlsfeld im Landkreis Dachau mit einer durchschnittlichen Nettokaltmiete von 10,86 Euro.  Besonders bemerkenswert: Die ersten zehn Rangplätze verteilen sich hälftig auf diese beiden süddeutschen Regionen.

„Hier zeigt sich, dass die alte Regel, wer günstiger wohnen möchte, muss in´s Umland ziehen, nicht mehr durchgreifend gilt. Das seit Langem extrem hohe Preisniveau in den Kernstädten hat zu kontinuierlichen Ausweichbewegungen der Nachfrage nach Mietwohnungen in die Speckgürtel geführt. Die hohen Angebotsmieten der vergangenen Jahre spiegeln sich nun zeitversetzt auch bei den hohen ortsüblichen Vergleichsmieten wider“, erklärt Geschäftsführer Leutner.

Im Altbau billiger

Wenig überraschend zeigt sich deutschlandweit wieder das bekannte Muster: Je neuer eine Wohnung,  umso höher die Miete . Die Spanne reicht von 6,80 Euro im Altbau bis zu 9,33 Euro pro Quadratmeter im aktuellen Neubau. Allerdings holen die sanierten und umfassend modernisierten Altbauwohnungen – besonders im Osten – überdurchschnittlich auf. Der regionale Vergleich zeigt insbesondere in der Region Deutschland-Mitte einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Jahr 2018. Dem gegenüber steht eine deutliche Abschwächung in der Region Süd. „Wie auch schon bei den Angebotsmieten scheint man sich hier einer Grenze zu nähern, die zeigt, dass auch die ortsüblichen Vergleichsmieten nicht mehr in den Himmel wachsen“, so Bernd Leutner. Die Veränderungen in NRW und im Osten entsprechen dem Bundesdurchschnitt. Eine leicht überdurchschnittliche Veränderung weist der Norden mit 1,9 % auf.

Thema Mietspiegelreform

Die Bundespolitik ringt derzeit um eine Reform der Mietspiegelerstellung in zwei Teilschritten. Aktuell möchte die Regierung den Betrachtungszeitraum der zugrunde liegenden Mietverträge von 4 auf 6 Jahre verlängern. Man erhofft sich dadurch eine dämpfende Wirkung auf das Niveau der ortsüblichen Vergleichsmieten, denn Mietspiegel sind in der Praxis das wichtigste Begründungsinstrument für Mieterhöhungen. Untersuchungen von F + B haben  gezeigt, dass bei einer Verlängerung des Betrachtungszeitraums der mietendämpfende Effekt nur in einer Größenordnung zwischen 0,3 bis 0,9 Prozent liegen wird. Das deckt sich mit einer anderen Untersuchung aus Stuttgart, die ebenfalls eine Dämpfungswirkung von unter 1 Prozent nachgewiesen hat. Wichtig ist es laut F + B, im zweiten Teilschritt die Erstellung und Fortschreibung von Mietspiegeln zu erleichtern und kostengünstiger zu gestalten.

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